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Bewertung

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Zeigt, wie viel Anleger für einen Euro Gewinn bezahlen.

Formel

KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie

Was ist Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)?

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die meistgenutzte Bewertungskennzahl am Aktienmarkt. Es zeigt, wie viel Anleger bereit sind, für einen Euro Gewinn zu bezahlen.

Ein KGV von 20 bedeutet: Anleger zahlen 20 Euro für jeden Euro Jahresgewinn. Anders ausgedrückt: Bei gleichbleibendem Gewinn hätte sich die Investition nach 20 Jahren amortisiert.

Das KGV wird in zwei Varianten verwendet: Trailing KGV (basierend auf dem Gewinn der letzten 12 Monate) und Forward KGV (basierend auf dem erwarteten Gewinn der nächsten 12 Monate).

Warum ist das wichtig?

Das KGV ist der schnellste Weg, um die Bewertung einer Aktie einzuschätzen. Es ermöglicht einfache Vergleiche zwischen Unternehmen derselben Branche.

Für Value-Investoren signalisieren niedrige KGVs potenzielle Kaufgelegenheiten, während hohe KGVs auf Überbewertung hindeuten können. Growth-Investoren akzeptieren hohe KGVs, wenn das Gewinnwachstum stimmt.

Das KGV beeinflusst auch Unternehmensverkäufe: Käufer orientieren sich oft an Branchen-KGVs, um einen fairen Kaufpreis zu ermitteln.

Berechnung Schritt für Schritt

1

Ermittle den Aktienkurs (aktueller Börsenkurs oder letzter Handelskurs).

2

Bestimme den Gewinn je Aktie (EPS): Jahresüberschuss / Anzahl ausgegebener Aktien.

3

Berechne: KGV = Aktienkurs / Gewinn je Aktie.

4

Für nicht-börsennotierte Unternehmen: Verwende den geschätzten Unternehmenswert / Jahresüberschuss als Näherung.

Praxisbeispiel

Eine Aktie notiert bei 60 € und der Gewinn je Aktie beträgt 4 €.

KGV = 60 / 4

KGV = 15x

Selbst berechnen

Bewertungs-Rechner

KGV

15.5x

KBV

2.0x

EV/EBITDA

7.3x

Bewertungs-Multiples

Grün = günstig bewertet, Gelb = fair, Rot = teuer (branchenabhängig).

Interpretation & Tipps

KGVs variieren stark nach Branche: Technologie liegt oft bei 25-40x, Versorger bei 12-18x, Banken bei 8-12x. Vergleiche immer innerhalb der Branche.

Ein sehr niedriges KGV (<8x) kann eine Value-Falle sein: Der Markt erwartet sinkende Gewinne. Ein hohes KGV (>30x) kann gerechtfertigt sein, wenn das Unternehmen stark wächst.

Das Shiller-KGV (CAPE) verwendet den inflationsbereinigten 10-Jahres-Durchschnittsgewinn und gilt als besserer Indikator für die Gesamtmarktbewertung.

Benchmarks & Richtwerte

Günstig / Riskant

< 10x

Fair bewertet

10–20x

Hoch bewertet

> 20x

Häufige Fehler

Negatives KGV verwenden: Bei Verlustunternehmen ist das KGV nicht aussagekräftig. Verwende stattdessen EV/Umsatz oder EV/EBITDA.

Branchenübergreifend vergleichen: Ein KGV von 25x bei einem Tech-Unternehmen ist normal, bei einem Versorger wäre es extrem hoch.

Einmaleffekte im Gewinn übersehen: Sondergewinne oder -verluste verzerren den EPS und damit das KGV. Nutze den bereinigten Gewinn.

Trailing vs. Forward KGV vermischen: Vergleiche immer die gleiche Variante. Das Forward KGV ist bei wachsenden Unternehmen typischerweise niedriger.

Das KGV wird oft zusammen mit dem KBV und dem EV/EBITDA verwendet, um ein vollständiges Bewertungsbild zu erhalten. Der PEG-Ratio setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum.

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