Formel
Zinsdeckungsgrad = EBIT / ZinsaufwandWas ist Zinsdeckungsgrad?
Der Zinsdeckungsgrad (Interest Coverage Ratio) zeigt, wie leicht ein Unternehmen seine Zinslast aus dem operativen Gewinn bedienen kann.
Ein Wert unter 1,5 signalisiert Zahlungsschwierigkeiten. Werte über 3 gelten als komfortabel. Die Kennzahl ist besonders wichtig für Kreditgeber und Rating-Agenturen.
Der Zinsdeckungsgrad beantwortet die Frage: Wie oft könnte das Unternehmen seine Zinsen aus dem operativen Gewinn bezahlen?
Warum ist das wichtig?
Der Zinsdeckungsgrad ist ein zentrales Kriterium für Kreditentscheidungen. Banken und Anleihe-Investoren prüfen ihn, um das Ausfallrisiko einzuschätzen.
Für Rating-Agenturen ist der Zinsdeckungsgrad einer der wichtigsten Inputfaktoren. Ein Wert unter 2x führt häufig zu einer Herabstufung des Ratings, was wiederum die Finanzierungskosten erhöht.
Berechnung Schritt für Schritt
Ermittle das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) aus der GuV.
Bestimme die Zinsaufwendungen des gleichen Zeitraums.
Berechne: Zinsdeckungsgrad = EBIT / Zinsaufwendungen.
Alternativ kann auch das EBITDA als Zähler verwendet werden — dies ist großzügiger, aber gängig bei Kreditverträgen.
Praxisbeispiel
Ein Unternehmen erwirtschaftet ein EBIT von 120.000 € und hat Zinsaufwendungen von 25.000 €.
Zinsdeckungsgrad = 120.000 / 25.000
Zinsdeckungsgrad = 4,8x
Selbst berechnen
Verschuldungs-Rechner
Verschuldungsgrad
150%
EK-Quote
40%
Zinsdeckung
4.8x
Kapitalstruktur
Interpretation & Tipps
Ein Zinsdeckungsgrad über 3x gilt als komfortabel. Zwischen 1,5x und 3x ist Vorsicht geboten. Unter 1,5x drohen Schwierigkeiten bei der Zinsbedienung.
In einem Umfeld steigender Zinsen ist der Zinsdeckungsgrad besonders wichtig: Variable Zinssätze können den Wert schnell unter die kritische Schwelle drücken.
Benchmarks & Richtwerte
Kritisch
< 1.5x
Grenzwertig
1.5–3x
Komfortabel
> 3x
Häufige Fehler
Nur aktuelle Zinsen betrachten: Bei variablen Zinssätzen oder anstehenden Refinanzierungen sollte man mit höheren Zinsen rechnen (Stresstest).
EBIT vs. EBITDA verwechseln: Kreditverträge spezifizieren genau, ob EBIT oder EBITDA als Basis dient. Die Unterschiede können erheblich sein.
Einmalige EBIT-Spitzen einberechnen: Außerordentliche Erträge können den Zinsdeckungsgrad temporär aufblähen. Bereinige um Einmaleffekte.
Der Zinsdeckungsgrad ergänzt die Eigenkapitalquote und den Verschuldungsgrad um die dynamische Perspektive der Zinstragfähigkeit.
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